Geschichte der Feuerwehr Amstetten

Ehemalige Kommandanten:

Gründer und Obmann, J. Radinger von 1868 bis 1870
Obmann, Josef Kranzer von 1870 bis 1873
Obmann, Carl Hinterhuber von 1873 bis 1880
Obmann, Rudolf Schuller von 1880 bis 1882
Obmann, Johann Wagmeister von 1882 bis 1883
Obmann, Ernest Matzke von 1883 bis 1884
Obmann, Ignaz Sippmayer von 1884 bis 1906
Hauptmann, Josef Gruber von 1906 bis 1920
Hauptmann, Johann Kolb von 1920 bis 1923
Hauptmann, Josef Gruber von 1923 bis 1925
Hauptmann, Johann Sieder von 1925 bis 1925
Hauptmann, Julius Hofmann von 1926-1928
Hauptmann, Karl Kolser von 1928 bis 1936
Hauptmann, Theodor Lang von 1936 bis 1938
Wehrführer, Josef Steiner von 1938 bis 1945
Kommandant, Hans Steer von 1945 bis 1
 
60 Jahre Freiw. Stadtfeuerwehr Amstetten

Wenn wir die Arbeit, das erfolgreiche Wirken und Schaffen der Menschen betrachten, sei es nun die Arbeit eines Einzelnen oder die einer Gemeinschaft, so ergeben sich in der Folge einzelne Abschnitte, einzelne Höhepunkte, die zu einem Rückblick auf die Vergangenheit förmlich auffordern, den Tag des Beginnes dieses Schaffens oder Wirkens deutlich in die Erinnerung zurückrufen und so den Anlaß geben die Wiederkehr dieses Tages festlich zu begehen, ein Freudenfest zu feiern.

Ein solches Freudenfest zu begehen hat nun die Freiwillige Stadtfeuerwehr Amstetten allen Grund, die am 2. September d. J. ihren sechzigjährigen Bestand feiert.

Im Jahre 1868 trat eine Schar wackerer Männer zusammen, um dem vom entfesselten Element bedrohten Nächsten beizustehen. Nächstenliebe, Uneigennützigkeit, Mut und Tatkraft waren die Beweggründe, und während der langen sechzig Jahre hat die Freiwillige Stadtfeuerwehr Amstetten in zahlreichen Fällen immer wieder bewiesen, wie ernst es ihr mit den freiwillig übernommenen Pflichten war.

Im nachfolgenden einige der wichtigsten Daten über die Freiwillige Stadtfeuerwehr Amstetten:

Gründer der Wehr waren:

Johann Radinger, Färbermeister, Gemeinderat und Kämmerer, im Verein mit Dr. Gustav Daghofer, Advokat und Gemeinderat, der die Statuten ausarbeitete. Die Statuten wurden am 22. April 1872 von der k. k. n. ö. Statthalterei genehmigt. Mitgliedsstand zur Zeit der Gründung: 60 Mann.

Dem ersten Ausschusse gehörten an: Kretschek, Weise senior, Franz Ruezinger und Queiser Adalbert.

An Geräten waren vorhanden: Eine alte Landfahrspritze vom Jahre 1862, ferner eine gelbe und eine rote Spritze ohne Sauger. Beide Spritzen waren bei der Gründung bereits 50 Jahre alt und hatten ein feststehendes Standrohr. Außerdem: Zwei Wasserwagen, 50 Feueramper, 15 Klafter Schläuche. Als erstes Zeughaus diente ein offenes Pultdach im Hofe des alten Rathauses. Uebungen wurden damals nicht abgehalten, sondern die Geräte wurden lediglich am Tage des heil. Florian beim Kilianbrunnen auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft. Im Jahre 1876 wurde die erste freistehende Schubleiter um den Betrag von 180 Gulden angekauft, ferner eine neue Landfahrspritze mit 300 Klaftern Transportschläuchen von der Firma Kernreuter um 1300 Gulden.

1890: Ankauf eines Wasserkarrens.
1894: Ankauf der großen Magirusleiter um 1200 Gulden.
1899: Ankauf von Hacken für die Steiger.
1901: Ankauf von 50 Zwilchblusen und der kleinen Schubleiter um 1000 Kronen.
1912: Ankauf der Benzinmotorspritze von der Firma „Union" und 500 Meter Schläuche um 7750 Kronen.
1921: Ankauf der Autospritze von der Firma Knaust in Wien.
1926: Ankauf des Rettungsautos.
1928: Ankauf des neuen Autogerätes.
 
Die wichtigsten Vorkommnisse:
1873: Gründung der Bahnwehrabteilung
1877: Brand von Amstetten, 69 Objekte; das Feuer brach am 17. Juni, um halb 2 Uhr nachmittags, im Eichlokale des Eichmeisters Schmid (heute Tuchhaus Edelmann) aus. Am Brandplatz erschienen zwanzig Feuerwehren. Am nächsten Tage traf eine Abteilung der Feuerwehr Linz, zwei Kompagnien des Infrantrieregiments Nr. 49 aus St. Pölten und eine Pionierkompagnie aus Linz ein.
1893: Gründung des Sterbefonds.
1925: Inbetriebsetzung der Alarmsirene.
1926: Gründung der Rettungsabteilung.
Leistungen der Rettungsabteilung der Freiwilligen Stadtfeuerwehr Amstetten seit der Gründung bis einschließlich 28. August 1928:

Krankentransporte wurden durchgeführt und zwar:

Mittels des Rettungsautos 558, mittels des Rettungswagens 69, mittels der Räderbahre 7, mittels der Eisenbahn 2;
Erste Hilfeleistungen wurden durchgeführt 96;
Ambulanzen wurden ausgestellt 19;
Ausrückungen bei Bränden mittels des Rettungsautos 2;
Insgesamt 753 Hilfeleistungen.

Ehrenmitglieder:

Karl Hinterhuber +, Ignaz Sippmayr +, Ferdinand Kosler +, Ignaz Kraschnigg +, Josef Gruber sen., Josef Seidl +, Rudolf Schuller sen., Hans Kolb, Julius Hofmann, Ludwig Resch.

Hauptleute:

Johann Radinger 1868-1870, Josef Kranzer sen. 1870-1873, Karl Hinterhuber 1873-1880, Rudolf Schuller sen. 1880-1882, Johann Wagmeister 1882-1883, Ernst Mazke 1883-1884, Ignaz Sippmayr 1886-1906, Josef Gruber sen. 1906-1920, Hans Kolb 1920-1923, Hans Sieder 1925-1926, Julius Hoffmann 1926-1928, seit 1928 Karl Kosler.

Gegenwärtiger Stand:
5 Ehrenmitglieder
58 tätige Wehrmänner
38 altgediente Wehrmänner
10 Mann der Rettungsabteilung.

Diese Wehr wurde während ihres sechzigjährigen Bestandes 224mal zu Bränden alarmiert. Außerdem leistete sie unzählige Male als Wasserwehr Dienst.

Das aufopferungsvolle Wirken der Freiwilligen Stadtfeuerwehr Amstetten hat auch immer den wohlverdienten Dank und die vollste Anerkennung der Bevölkerung Amstettens und dessen Umgebung gefunden. Das heutige fest ist daher zugleich auch ein Fest der ganzen Bevölkerung, die durch ihre Anteilnahme kundgeben will, welche Wertschätzung sie der freiwilligen Stadtfeuerwehr Amstetten entgegenbringt. Möge das Fest einen schönen und günstigen verlauf nehmen! Der wackeren Stadtfeuerwehr Amstetten ein kräftiges „Gut Heil!" mit den herzlichen Wunsche auf weiteres Blühen und Gedeihen, allen Feuerwehrgästen aber ein ebenso herzliches
 
Die Geschichte der Feuerwehr Amstetten

Am 3. August 1868- also bereits ein Jahr nach der verfassungsmäßigen Verankerung der Vereinsfreiheit gründeten Männer des Turnvereins die Freiwillige Feuerwehr Amstetten. Der Gründer war Färbermeister Johann Radinger, seine Mitbegründer E. Skoda, A. Queiser, F. Mayerhofer und F. Ruezinger. Zum Hauptmann wurde der Färbermeister und Gemeinderat Johann Radinger gewählt. Der Verein hatte bei der Gründung 60 Mitglieder bei knapp 3000 Einwohnern.

In einer alten Chronik wird berichtet, das "in der Session des Panthäding" vom 27.Juli 1792 die Feuerlösch-Ordnung bestätigt worden ist, wobei auch dem Schlosser Mißrigler ist bedeutet worden, dass er künftig bei entstehender Feuersbrunst nicht mehr mit der Ratsglocke läute, sondern nur anschlage; nicht minder ist bei dieser Gelegenheit der löblichen Bürgschaft wegen Anschaffung einer Feuerspritze Meldung gemacht worden und dem Missrigler Kommission gegeben worden, das er nach Wien schreiben solle, wie teuer eine gut wäre."

Am 29.Oktober 1792 wurde in einer "Folgeverordnung" beschlossen, eine neue Spritze anzuschaffen, wobei die Vogtherrschaft Seisenegg, beziehungsweise die Kirche Amstetten und die hiesigen "Honeratioren" Beiträge leisten sollten. An dem Reste sollten die Gemeindemitglieder "participiren".

Der Löschdienst war ehemals ebenso Bürgerdienst wie die Verteilung des Marktes. Die Feuersgefahr war natürlich damals viel größer als heute.

Mit dem Erlassen einer Feuerlöschordnung durch Kaiser Josef II. Wurde bei allen Neubauten ein Hausbrunnen vorgeschrieben. Sämtliche Feuerstätten des Marktes unterlagen einer monatlichen Feuerbeschau durch zwei Bürger. Feuerwachen führte man erst im 18.Jahrhundert ein.

Im Jahre 1814 bestand bereits ein "Feuerlösch- Requisiten- Depositotium" im Gewölbe des Hauses Hauptplatz 30, das war das alte Bezirksgericht.

Ein Feuerlösch-Depot entstand dann in der Rathausstraße neben dem alten Rathaus, das beim Neubau des Rathauses abgetragen wurde.

Die erste Zeit nach der Gründung

Seit 1873 gab es auch eine Freiwillige Bahnfeuerwehr. Sie unterstand zunächst der "Marktfeuerwehr", wurde aber dann selbständig. Vor 1938 löste sie sich selbst auf.

Unter dem Feuerwehrhauptmann Julius Hoffmann wurde am 27.2.1926 von der Feuerwehr eine Rettungsabteilung gegründet.

Vorerst stand ein Rettungswagen mit Pferdegespann in Verwendung, welcher am 12.5.1926 von einem Sanitätsauto abgelöst wurde.

Im Jahre 1938 ging die Rettungsabteilung an das Rote Kreuz über.

Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg

266 mal versetzte der Fliegeralarm mit seinem Sirenengeheul die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Rund 12.000 Spreng-, Brand- und Splitterbomben wurden über Amstetten abgeworfen und verursachten große Schäden an Wohnhäusern, Verkehrsanlagen und Kulturen. 666 Wohnungen wurden zerstört.

Viel schmerzlicher waren aber die 142 Todesopfer und 148 Verletzten. Die wenigen Männer, ergänzt durch Feuerwehrhelferinnen und Jugendliche, waren das Gros der damaligen Feuerwehr.

Nachkriegszeit und Wiederaufbau

Alle Fahrzeuge und zum Teil auch Geräte, Uniformen und Ausrüstungen waren requiriert und geplündert worden. Die Feuerwehr stand vor dem Nichts.

Unter schwierigsten Umständen, mit neuer Begeisterung, wurden die noch vorhandenen Geräte Gereinigt und instandgesetzt. 1948 wurde in bescheidenen Rahmen das 80jährige Bestandsfest abgehalten.

1958 war die Feuerwehr schon wieder mit 3 Tanklöschfahrzeugen, einem leichten Löschfahrzeug LF8, einer fahrbaren Leiter (18m) und 20 leichten sowie 3 schweren Atemschutzgeräten ausgerüstet. Im Jahr 1969 wurde der 19. NÖ. Landesfeuerwehr- Leistungsbewerb durchgeführt.

Das alte Zeughaus hatte die Wehr von Beginn an im Rathaushof. In den Jahren 1975 und 1976 musste die Freiwillige Feuerwehr in die Feldstraße ausweichen. Am 26.Oktober 1976 zog die Feuerwehr in ihr heutiges Haus in der Anzengruberstr. 1 ein.

1992 wurde die Bezirksalarmzentrale in Betrieb genommen. Die ständig besetzte Nachrichtenzentrale ist von 3 hauptamtlichen und 15 freiwilligen Feuerwehrmännern rund um die Uhr besetzt. Der Notruf 122 wird von dort direkt an die 88 Feuerwehren des Bezirkes und an alle Betriebsfeuerwehren mit Sprach und Sirenenalarm weitergeleitet.

1999 und 2000 wurde ein Zubau mit 4 Garagen, Katastrophenlager, AS-Übungsstrecke, Schlauchturm und verschiedene Lager gebaut.

Seit Juli 2003 wird der Bezirk Scheibbs mit 27 Feuerwehren von der Bereichsalarmzentrale Amstetten mitlamiert.
 

Marktbrand am 17.Juni 1877

Der Markt Amstetten hat durch Feuersbrünste viel gelitten, so wird uns aus den Jahren 1529, 1763 und 1793 hievon berichtet. Am 14.März 1833 wurde Amstetten von einem verheerenden Brande heimgesucht, bei welchem am Hauptplatz neun Häuser, darunter auch das Gemeindehaus, Nr. 42 alt, Nr.38 neu, (altes Bezirksgericht) gänzlich niederbrannten.

Der große Brand war am Sonntag, den 17. Juni 1877. Es begann um 13 45 Uhr bei heftigem Ostwind und großer Hitze. Die Kinder waren gerade zum Einzug in die Kirche aufgestellt. Dort sollte die Religionsprüfung durch Dechant Rant aus Wieselburg stattfinden. Plötzlich ertönte das Feuersignal. Das Haus Nr. 54 am Hauptplatz hinter der heutigen Bawag stand in Flammen. Blitzschnell wurde das in der Nähe befindliche Brauhaus erfaßt und auf fast unerklärliche Weise hatte es auch sie gegenüberliegende Apotheke des Karl Hinterhuber ergriffen. Am gräßlichsten wütete der Brand in der engen Kirchengasse und in der Waidhofnerstraße (heutige Rathausstraße). Auch Kirche und Pfarrhof waren in größter Gefahr und nur der Umsicht und Entschlossenheit des Kapuzinerpaters Bertold im Verein mit dem Besitzer des Reitbauerngutes Stephan Ramsauer und des Zimmermannes Johann Mahrhofer von Edla war es zu danken, daß die Gebäude gerettet wurden.

Viele Feuerspritzen erschienen am Brandplatze, darunter die von St.Pölten, Melk, Kemmelbach, Ybbs, Blindenmarkt, Euratsfeld. Aus Linz langte die Feuerwehr und eine Abteilung Pioniere ein, aus St. Pölten eine Abteilung des 49. Infanterie-Regimentes Heß.

Eingeäschert wurden 130 Objekte, darunter 63 Wohnhäuser, welche meist gering versichert waren. Der Schaden belief sich auf ca. 400.000 Gulden. Von allen Seiten, von öffentlichen Anstalten und Privaten, auch von Kaiser Franz Josef, liefen Spenden, teils an Geld, teils an Naturalien ein. Der Brand forderte auch ein Todesopfer, die Mutter des Post und Bürgermeisters Innerhuber, deren Kleider Feuer fingen.
 

Ein Tröster in der Not war in dieser Zeit der tatkräftige und vorausschauende Gastwirt und Fleischhauer Anton Schmidl, späterer Bürgermeister von Amstetten. Er sprach den vom Unglück Betroffenen Mut zu und erklärte: „Ist einmal die Wunde vernarbt, Amstetten wird nur gewinnen." Er hatte Recht. Rastlos arbeitete man an dem Wiederaufbau des Ortes und noch vor dem Eintritt des Winters waren die meisten Gebäude hergestellt. Die Mehrzahl der Häuser, deren Mauern bis dahin kahl waren, bekamen Verzierungen (Fassaden) und erhielten dadurch ein hübscheres Aussehen. Verbesserungen wurden überall vorgenommen, Straßenzüge wurden geregelt und dergleichen. Amstetten hat sich seit diesem Brande zu einem schönen Orte emporgeschwungen.

Bei all dem großen Unglück, das die Bewohner Amstettens getroffen, fehlte es nicht an einer heiteren Begebenheit. Der „Holzplatz" des Zimmermeisters Stephan Hopferwieser war in größter Gefahr. Hopferwieser suchte mit seinen Leuten die vom Winde hergeführten Funken zu löschen. Als er nach mehrstündiger anstrengender Arbeit am Holzlagerplatz die Stube seines Hauses betrat, fand er Tisch und Stühle umgestürzt. Auf die Frage, was da gemacht wurde, erhielt er von den anwesenden Weibsleuten aus der Nachbarschaft, die dieses Durcheinander bewerkstelligt hatten, die Antwort:

„Weil es dadurch bei Ihnen nicht zu brennen anfängt."


Festschrift 140 Jahre FF Amstetten - 2008

 
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